Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben gegen einen Trainer des TSVE 1890 wegen sexueller Nötigung. Wie Herr Johnen in seinem Kommentar in der NW vom 10.9.09 richtig schreibt “ein schwerwiegender Anklagevorwurf”. Gleichzeitig beglückwünscht Herr Johnen die Verantwortlichen des TSVE, die sich “voll” hinter ihren Trainer stellen.Dieser Kommentar und auch das Vorgehen der Verantwortlichen des Vereins irritieren uns sehr.Tatsache ist, die Staatsanwaltschaft hält die Vorwürfe gegen den Trainer für so gravierend, dass sie Anklage erhoben hat. Tatsache ist laut NW vom 9.9.09 auch, dassin der Vergangenheit schon mehrere ähnliche Vorwürfe gegen diesen Trainer erhoben wurden. Weiterhin erfahren wir in diesem Artikel, dass die Verantwortlichen des TSVE von ihrem Trainer offenbar nicht unverzüglich und zeitnah über die gravierenden Vorwürfe gegen ihn informiert wurden.In solch einer Situation wäre es dringend notwendig, dass ein Verein sich deutlich positioniert. An erster Stelle sollte der Schutzgedanke stehen gegenüber den Mädchen und Jungen, die sich im Verein betätigen. Sie sind darauf angewiesen und vertrauen darauf, dass Erwachsene für sie Rahmenbedingungen und eine Atmosphäre schaffen, in der sie sich wohl und sicher fühlen können.Mit dem Satz der Verein steht voll hinter seinem Trainer wird diesen Mädchen und Jungen aber ein anderes Signal gegeben. Sollten sie es wagen, Vorwürfe wegen sexueller Belästigung vorzubringen, können sie anscheinend nicht auf eine offene und neutrale Haltung des Vereins hoffen, die sich u.a. darin zeigen würde, den Trainer bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe von seiner Arbeit freizustellen. Stattdessen heißt es sogar der TSVE geht davon aus, dass es sich um eine Verleumdung handelt, die vor Gericht ihren Abschluss findet.Hier findet eine eindeutige Vorverurteilung des betreffenden Mädchens statt.  Auch das Argument die Mitglieder und Eltern der entsprechenden Abteilung hätten sich ausschließlich positiv über den Trainer geäußert, bietet keine Grundlage für die einseitige Parteinahme der Verantwortlichen. Dass jemand beliebt und allseits anerkannt ist, ist kein Beweis dafür, dass er zu sexuellen Übergriffen nicht in der Lage ist. Gerade das macht u.a. den Umgang mit dem Thema sexualisierte Gewalt so schwierig. In einer Broschüre “gegen sexuelle Gewalt im Sport”, die u.a. vom Stadtsportbund Köln herausgegeben wurde, heißt es genau zu diesem Aspekt:“Oft sind das Personen, die aufgrund ihres Engagements viel Sympathie erhalten, Ansehen genießen und Einfluss haben”.. Das macht es dann sehr schwer, Vorwürfe gegen sie zuzulassen, zu prüfen und ihre Integrität in Frage zu stellen.”Nach wie vor ist es so, dass sich viele Mädchen scheuen sexuelle Übergriffe, die sie erfahren haben, zur Anzeige zu bringen, ja überhaupt zur Sprache zu bringen. Sie schämen sich, haben Schuldgefühle und ihre große Angst ist, dass ihnen nicht geglaubt wird. Mädchen, die diesen Schritt dennoch wagen, machen zum Teil sehr leidvolle Erfahrungen mit der Reaktion ihres Umfeldes. Sie erleben z.B., dass sichihr gesamter Freundeskreis in zwei Lager spaltet, weil viele einfach nicht glauben wollen, dass der nette Kumpel, den sie schon so lange kennen zu so etwas fähig sein könnte. Andere müssen es ertragen, dassihre gesamte Familie vom Rest der Gemeinde ausgegrenzt und abgelehnt wird, weil niemand glauben will, dass eine honorige Person der Gemeinde so etwas tun würde. Dies alles gilt es zu bedenken, wenn die Verantwortlichen eines Sportvereins in dem sich viele Mädchen und Jungen betätigen, sich öffentlich zu den Vorwürfen der sexuellen Nötigung äußern. Den Kommentar des Herrn Johnen halten wir an dieser Stelle für verfehlt und wir vermissen die gebotene Sensibilität beim Umgang mit dem Thema sexuelle Gewalt. Offenbar verwechselt er eine Freistellung des Trainers mit einer Vorverurteilung. Es ist ein völlig normales und durchaus notwendiges Vorgehen, wenn bis zum Abschluss des gerichtlichen Verfahrens der Trainer freigestellt wird, im Sinne des Schutzgedankens für Mädchen und Jungen.

Maria Therre für die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle des Mädchenhauses

Kommentar