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Das Foto zeigt ein Mädchen, das nach unten schaut und dabei in eine Frucht beißt.

Wenn Essen zum Problem wird. Warum ist das alles so schwierig?

Jeder Mensch hat schon erlebt, dass manche Dinge und Situationen auch mal „den Appetit verderben“ können oder Lust / Frust aufs Essen machen.

Eigentlich ist Essen eine tolle Sache: du kannst zusammen mit Freunden essen gehen oder gemeinsam gemütlich etwas zu Hause kochen und dabei quatschen und Spaß haben oder du freust dich darauf, wenn im Sommer die Eisdielen wieder öffnen.

Dann gibt es vielleicht Tage, an denen du mal so gut wie gar keinen Appetit hast. Oder aber du kannst alles in dich hinein stopfen, weil du auf einmal Lust und Appetit auf alles bekommst, auch wenn du eigentlich schon satt bist.

Solche Situationen kennt jeder Mensch und es ist völlig normal, dass dir manche Sachen und Situationen den Appetit auf Essen verderben können, wenn vielleicht etwas anderes fehlt?!

Etwas schwieriger wird es, wenn du dich tage-, wochen- oder sogar monatelang nur noch mit dem Thema Essen beschäftigst. Wenn dann alle deine Gedanken und dein Alltag nur noch um dieses eine Thema kreisen und du sehr viel darüber nachdenkst, was du wann und wie viel isst oder nicht isst. Es wird schwierig, wenn es sich zu deinem „Vollzeitjob“ entwickelt, dir Gedanken um deine Essensplanung zu machen. Oder wenn deine Gefühle, ob du dich gut oder schlecht fühlst, anfangen, sehr stark davon abzuhängen wie, wann und wie viel du gegessen hast.

Man könnte fast sagen, du isst dann „mit dem Kopf“ und entscheidest, was du zu welcher Zeit isst, ohne dabei aber darauf zu achten, ob es auch das ist, was dein Körper gerade braucht. Dieses ganze Nachdenken übers Essen kann ganz schön anstrengend werden, so dass dir das Essen selbst vielleicht gar keine große Freude mehr bereitet und immer mehr zur Last wird. Dadurch kann es vorkommen, dass andere (wichtige) Dinge in deinem Leben auf der Strecke bleiben.

Die Leichtigkeit und Unbeschwertheit mit dem Essen verschwindet, stattdessen regiert die Kontrolle, die nach und nach selbst außer Kontrolle gerät.

Das Foto zeigt Mädchenhände. Eine Hand hält ein Stück Erdbeertorte, mit der anderen wurde gerade ein bisschen von der Torte abgemacht.

Manchmal kann es auch sein, dass das Essen selbst ganz unterschiedliche Gefühle auslöst, wenn es einmal zum Problem geworden ist: manche Mädchen fühlen sich eklig, wenn sie zu viel gegessen haben; andere fühlen sich stolz, wenn sie es schaffen, viele Mahlzeiten am Tag auszulassen; wieder andere müssen sich mit Essen „voll stopfen“, um vielleicht das Gefühl einer Leere (im Bauch/im Herzen) zu füllen oder ein schlechtes Gefühl zu überdecken. Wenn man versucht, besonders wenig und kontrolliert zu essen und dabei auch ein ständiges Hungergefühl in Kauf nimmt, ist es umso wahrscheinlicher, dass der Hunger und die Lust auf einmal so stark werden, dass man ganz viel von dem isst, was man sich vorher verboten hat. Ein striktes Verbot von bestimmten Lebensmitteln, wie Süßigkeiten, ist daher keine gute Methode, um sich gesund zu ernähren. Ein gutes Maß zu finden ist wichtig!

Neben dem Essen kann es auch sein, dass an erster Stelle deiner Gedanken dein Aussehen und deine Figur stehen. Vielleicht bist du gerade nicht zufrieden und fühlst dich nicht wohl mit dir und versuchst durch ein bestimmtes Essverhalten deine „Traumfigur“ zu erreichen oder dein Selbstwertgefühl zu erhöhen?


In der Pubertät verändert sich das Aussehen

In der Pubertät verändert sich das Aussehen, und manchmal braucht man etwas Zeit, um sich in seinem veränderten Körper wieder zu Hause zu fühlen. Das ist ganz normal.

Es ist hilfreich zu versuchen, das Neue anzunehmen und wohlwollend kennen zu lernen, sowie man auch eine andere Neuerung erst einmal kennen lernen und freundlich begrüßen würde. Der Vergleich mit Stars und Models ist wenig hilfreich sondern eher frustrierend und es ist wichtig zu wissen, dass diese „in echt“ auch nicht so aussehen wie im Fernsehen oder in Zeitschriften und vor allem, dass auch bei ihnen trotz des Aussehens nicht alles super läuft. Es ist hilfreich und sehr wichtig, dass man versucht in der Peergroup oder im Freundeskreis mit dazu beizutragen, dass man wertschätzend miteinander und übereinander spricht. Ständige Gespräche über das „richtige“ Aussehen, das „richtige“ Gewicht oder die „richtige“ Anzahl an Stunden Sport am Tag können nach außen lustig und leicht sein, aber in Wirklichkeit für jede einzelne, wenn sie mit sich allein ist, doch verunsichernd. Schnell entsteht ein Konkurrenzgerangel unter Mädchen, was das Aussehen und das Gewicht angeht, bei der es keine Gewinnerinnen gibt, sondern nur ein Verlieren des Gefühls, ok zu sein, so wie man ist.

Das ist sehr schade, denn eigentlich können sich Mädchen super dabei unterstützen, selbstbewusst und zufrieden mit sich selbst zu sein.

Das Foto zeigt zwei Mädchen, die im Schneidersitz vor einer Tür sitzen. Das Mädchen rechts lehnt schief an dem anderen Mädchen, ihr Kopf auf deren Schulter.

Es gibt auch „Unterstützungen“, die schädlich sind. Wenn du im Internet in blogs, sozialen Netzwerken, Chats etc. lesen solltest, dass du dabei „unterstützt“ werden kannst, anorektisch oder bulimisch zu bleiben, dann solltest du aufpassen. Diese Informationen sind nicht seriös, sondern verherrlichen eine Krankheit und verharmlosen bewusst ihre Folgen für die Gesundheit. Das zeigt sich z.B. an den verniedlichenden Bezeichnungen: „Pro Ana“ steht für Magersucht (Anorexia nervosa) und „Pro Mia“ für Bulimie (Bulimia nervosa).

Möglicherweise ist es dir wichtig, jeden Tag einmal auf die Waage zu steigen, um zu schauen, ob du Gewicht gewonnen oder verloren hast. Du schaust dann in den Spiegel und dein Körper gefällt dir gar nicht, selbst wenn dir andere Menschen sagen, dass sie dich sehr hübsch oder gut aussehend finden, oder aber sogar, dass du zu dünn geworden bist – dein Körper und du selbst gefallen dir selbst dann überhaupt nicht und du denkst vielleicht auch, es müsste eine ganz bestimmte Zahl auf der Waage erscheinen, damit du wieder zufrieden mit dir sein kannst.

Manche versuchen durch bestimmte Medikamente ihr Gewicht zu verlieren oder aber sie gehen sogar soweit, dass sie sich nach jedem Essen absichtlich übergeben oder besonders viel Sport treiben „müssen“, damit sie das gewonnene Gewicht wieder verlieren. Das kann sich nach und nach auch wie ein Zwang oder eine Sucht anfühlen. So dreht sich dann ein ganzer Tag ums Essen oder aber darum, durch das Essen das gewonnene Gewicht wieder los zu werden. Das ist natürlich schlimm – denn die viele Zeit, die du dich mit dem Essen und Nicht-Essen beschäftigst, geht dir für andere schöne Erlebnisse, Gelegenheiten und Menschen verloren und gleichzeitig ist das alles sehr belastend und isoliert dich von anderen.

Essstörungen sind ernstzunehmende psychosomatische Erkrankungen, die es erforderlich machen, sich Hilfe zu holen.  Wenn eine oder mehrere Punkte bei dir zutreffen, dann leidest du unter einer Essstörung oder läufst Gefahr eine zu entwickeln.

In den meisten Fällen sind sie ein Ausdruck von hinter dem Essverhalten stehenden Schwierigkeiten oder inneren Konflikten, die für die Betroffenen oft nicht sofort erklärbar oder verstehbar sind.

Für die meisten Mädchen ist es schwierig und anstrengend aus dem gewohnten Verhalten wieder auszusteigen – dennoch ist es machbar und auch zu jedem Zeitpunkt möglich. Je früher du dein Problem mit dem Essen ernst nimmst und versuchst, aus dem Kreislauf auszusteigen und dafür Hilfe annimmst, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du wieder ganz normal essen wirst und dich dabei gut fühlst. Die Veränderung braucht Zeit und ist vielmehr ein Prozess, als dass sie von heute auf morgen passieren könnte. Du musst es nicht alleine schaffen, es ist sogar wichtig und gut, dass du dir dabei Hilfe und Unterstützung suchst.


Was kannst du tun?

  • Such dir einen Menschen deines Vertrauens (z.B. eine Verwandte, eine SchulsozialarbeiterIn), um alles zu besprechen und nach Wegen zu suchen, dass es dir wieder besser gehen kann.
  • Es gibt in vielen Städten Beratungsstellen, die dir weiterhelfen können. Hier ist eine Liste von Beratungsstellen in NRW.
  • Du rufst eine der Notrufnummern an und erzählst am Telefon, wie es dir geht. Dann bekommst du am Telefon Unterstützung.
  • Du kannst uns anrufen oder eine Mail schreiben.

 

Mehr Infos zum Thema findest du auch hier:

  0521 - 17 88 13