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Eine Gruppe gut gelaunter Mädchen, zwei von ihnen pusten Seifenblasen

Wenn ein Nein nicht reicht...

Artikel Westfalen-Blatt |26.08.2019

Wenn ein Nein nicht reicht...

Junge Frauen mit Behinderung sind besonders gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden. Hilfe finden Betroffene bei »Mädchen sicher inklusiv« in Bielefeld.

»Nein heißt nein!« Ein einfacher Satz, der aber nicht immer einfach über die Lippen geht. Spätestens mit der »Me Too«-Bewegung ist das Thema sexualisierte Gewalt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Frauen – unter ihnen prominente Schauspielerinnen – berichteten von Übergriffen.

Von Belästigung über Nötigung bis hin zur Vergewaltigung. Sie erzählten von Männern, die ihre Machtposition gezielt ausnutzen. Auch Fälle in Deutschland wurden damals publik.

Zusätzliche Barrieren bei Suche nach Hilfe

Experten gingen davon aus, dass Mädchen und Frauen mit Behinderung noch einmal deutlich gefährdeter seien, sagt Maya Goltermann. So würden sie den Schätzungen zufolge zwei bis drei Mal häufiger sexualisierte Gewalt erleben als andere Frauen.

Das Problem: Auf der Suche nach Hilfe müssen Betroffene oft zusätzliche Barrieren überwinden. Weil sie vielleicht nicht gut genug lesen können, um komplizierte Texte über Selbstbestimmung und Grenzverletzung zu lesen. Oder weil der Zugang zur Beratungsstelle einfach nicht rollstuhlgerecht ist.

Vor vier Jahren startete deshalb das Projekt »Mädchen sicher inklusiv«, dessen Leiterin Goltermann ist. Ziel war es, eine Anlaufstelle für Gewaltprävention und Gewaltschutz für Mädchen und junge Frauen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung aufzubauen. Keine einfache Aufgabe, wie Goltermann und ihr Team erklären.

Team der Fachstelle besucht Schulen

Schließlich sollte den unterschiedlichen Mädchen und jungen Frauen je nach Unterstützungsbedarf ein barrierearmer Zugang verschafft werden. Knapp 400 Anfragen gingen in den ersten drei Jahren ein. Deshalb wurde das Projekt nach Ablauf in eine Fachstelle umgewandelt.

Zum einen geht das Team der Fachstelle regelmäßig in Schulen. In Workshops lernen die Mädchen und jungen Erwachsenen, die eigenen Grenzen zu schützen. »Dass man in Situationen, die einem nicht gefallen, laut Stop und Nein sagen kann«, schreibt eine der Teilnehmerinnen auf die Frage, was sie aus dem Kurs mitgenommen habe.

Zum anderen wenden sich die Betroffenen über einen Online-Chat oder per Mail, telefonisch und persönlich an die Fachstelle. Die Fälle seien ganz unterschiedlich: »Zum Beispiel kam eine junge Frau nicht mit dem Rollstuhl ins Kino«, sagt Goltermann.

Bei einem Großteil der Anfragen gehe es tatsächlich um Gewalterfahrungen

Doch bei einem Großteil der Anfragen gehe es tatsächlich um Gewalterfahrungen. Nicht immer werde das so direkt angesprochen, erklärt Goltermann: »Viele fangen an mit ›Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin...‹«

Doch im Laufe der Beratung stelle sich dann raus, dass es um eine Form der Gewalt gehe. Sei es in sexualisierter Form oder als körperliche beziehungsweise psychische Gewalt. »Wir hatten zum Beispiel Fälle, bei denen es um Mobbing ging«, sagt Goltermann. Konkrete Beispiele will sie nicht nennen – denn die Anonymität der Mädchen werde in ihrem Team streng gewahrt

»Wir würde niemals über die Kopf eines Mädchens hinweg entscheiden«

Bei »Mädchen sicher inklusiv« gibt es die sogenannte Erstberatung. Das heißt, die Mitarbeiterinnen können den jungen Frauen den richtigen Ansprechpartner vermitteln – immer in Absprache mit der Betroffenen. »Wir würde niemals über die Kopf eines Mädchens hinweg entscheiden«, sagt Goltermann.

Die Fachstelle sitzt zwar in Bielefeld, arbeitet aber landesweit. Sie ist ans Bielefelder Mädchenhaus angegliedert und wird vom NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung gefördert.

Angebot | Fachstelle Gewaltschutz bei Behinderung

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