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Eine Gruppe gut gelaunter Mädchen, zwei von ihnen pusten Seifenblasen

Die bundesweit erste Zufluchtstätte ist barrierefrei!

‚Endlich geschafft‘ – im Frühjahr ist unsere Zufluchtstätte für Mädchen und junge Frauen, die sich in einer akuten Notlage befinden, in neue Räume gezogen und nun barrierefrei. Von nun an haben alle Mädchen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit vom Mädchenhaus Schutz und Zuflucht zu bekommen.

Mit der Eröffnung der ersten bundesweiten barrierefreien anonymen Zufluchtstätte setzt der Verein Mädchenhaus Bielefeld e.V. einen wichtigen Meilenstein, denn Mädchen und Frauen mit Behinderungen sind laut einer aktuellen Studie 2-3 mal so häufig von Gewalt betroffen, wie Mädchen und Frauen ohne Behinderungen.

Das gesamte Haus und der Bereich um das Haus herum wurden barrierefrei und rollstuhlgerecht errichtet. Für mobilitätseingeschränkte Mädchen im Rollstuhl, auch in einem Elektrorollstuhl, stehen insgesamt zwei umfangreich barrierefrei ausgestattete Zimmer mit Pflegebetten zur Verfügung. Für die Bedarfe von Mädchen mit dem Förderschwerpunkt Hören und Sehen sind verschiedene Erleichterungen verwirklicht worden: Kontrastreiche Übergänge, besonders hohe Lichtquellen in zwei Mädchenzimmern und Schalldämpfungen in den Gruppenräumen und in einzelnen Mädchenzimmern sowie individuelle Notrufsysteme verringern unnötige Barrieren und lassen eine größtmögliche Teilhabe zu. Für den Förderschwerpunkt „Lernen und geistige Entwicklung“ sind die Regeln der
Zufluchtstätte sowie das Informationsmaterial in „Leichte Sprache“ übersetzt worden. Beschilderungen, auch mit Punktmarkierung (Braille-Schrift), eine klare Farbstruktur mit Leitsystemen und Handläufen ermöglichen eine gute Orientierung.

Das Konzept der anonymen barrierefreien Zufluchtstätte hält großzügige, helle und freundliche neue Räume vor, die gleichzeitig aufgrund der Lage und der Gestaltung des Außengeländes einen hohen Schutzraum bieten.

 

Artikel Neue Westfälische | 18.04.2018

Erste barrierefreie Zuflucht für Mädchen
Bundesweit einmalig: Inklusive Einrichtung vom Mädchenhaus Bielefeld wird offiziell eröffnet

Bielefeld. Jedes zweite Mädchen mit einer Behinderung erlebt in seiner Kindheit Gewalt oder sexualisierte Gewalt. Jetzt gibt es für sie in akuten Notlagen eine anonyme Zufluchtsstätte, die barrierefrei ist. Der Verein Mädchenhaus Bielefeld hat mit Erstbezug im Frühjahr 2018 eine inklusive Anlaufstelle geschaffen, die bundesweit einmalig ist. Jetzt ist sie bei einer Feierstunde in der Hechelei offiziell eröffnet worden. Und alle Beteiligten hoffen auf Nachahmer.

Eigentlich sei es angesichts der Tatsache, dass Mädchen mit einer Behinderung zwei- bis dreimal so häufig Gewalt erlebten, unglaublich, dass es so eine Zufluchtsstätte erst jetzt gebe, sagte Sozialdezernent Ingo Nürnberger. "Sie ist nicht nur barrierefrei, sondern auch heimelig und durchdacht."

Tatsächlich hat sich das Mädchenhaus-Team um Geschäftsführerin Birgit Hoffmann lange beraten und beraten lassen. Fünf Jahre nahmen Planung, Finanzierung und Bau in Anspruch. "Dabei hatten wir selbst nicht erwartet, wie schwer es werden würden, das Haus auf 400 Quadratmetern barrierefrei zu gestalten", sagt Hoffmann. Denn dafür gebe es keine richtige Anleitung. "Was für den einen Barrierefreiheit bringt, kann für den anderen eine Barriere mehr sein."

Jetzt gibt es eine Küche auf zwei Ebenen, in der auch vom Rollstuhl aus gespült und gekocht werden kann. Es gibt Lichtklingeln, Pflegebetten, schallgedämpfte, helle, große Räume. Farb- und Leitsysteme helfen bei der Orientierung. Doch noch immer seien viele Fragen ungeklärt, so Hoffmann. "Wir wissen nicht, welche Bedarfe tatsächlich eingefordert werden." Am inhaltlichen Konzept und der richtigen Fortbildung der Mitarbeiter wird ebenfalls weiter gefeilt. Unklar sei vor allem die Finanzierung im Einzelfall in einer Einrichtung, die sich zwischen Jugend- und Behindertenhilfe bewege.

Dieses Dazwischensein habe sich schon beim Auftreiben finanzieller Mittel für die inklusive Einrichtung bemerkbar gemacht. "Inklusion ist gewünscht, aber die Strukturen sind dem noch nicht angemessen", sagte Hoffmann auch in Richtung von Andreas Bothe, Staatssekretär des NRW-Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, dem Mädchenhaus im Namen des Landes gratulierend. "Sie haben das mit ihrem Engagement und ihrem Know-how möglich gemacht."

 

Artikel Westfalen Blatt | 18.04.2018

Bielefeld (WB). Der Verein Mädchenhaus Bielefeld ist vorbildlich. Er hat die bundesweit erste barrierefreie Zufluchtsstätte für Mädchen und junge Frauen errichtet.

Der Ort soll anonym bleiben

Gefeiert wurde im Ravensberger Park – und nicht an Ort und Stelle, denn die Zufluchtsstätte soll anonym bleiben. Nicht einmal die Handwerker hätten gewusst, woran sie arbeiten, sagte Heidi Saarmann, Mitglied des Vereinsvorstands.

Die neue Zufluchtsstätte ist rollstuhlgerecht eingerichtet, verfügt über helle, großzügige Räume, über kontrastreiche Übergänge, Schalldämpfungen in Gruppenräumen sowie Lichtklingeln, die Mädchen mit Einschränkungen beim Sehen und Hören helfen. Hinzu kommen individuelle Notrufsysteme, Leitfarben und Beschilderungen auch mit Braille-Schrift.

Sieben Zufluchtstätten für Mädchen in Deutschland

»Es gibt sieben Zufluchtsstätten für Mädchen in Deutschland, aber keine barrierefreie«, beschrieb die Geschäftsführerin des Mädchenhauses, Birgit Hoffmann, die Notwendigkeit, daran etwas zu ändern. Laut einer aktuellen Studie erleiden behinderte Mädchen und Frauen zwei- bis dreimal häufiger Gewalt als diejenigen ohne Handicap. Täter nutzen deren besondere Wehrlosigkeit aus.

Bei ihnen halten sie die Wahrscheinlichkeit für gering, dass die Tat aufgedeckt wird, sagte Saarmann dem WESTFALEN-BLATT. Täter versuchten, eine Bindung zu den Mädchen aufzubauen (»Du bist meine Liebste«) und testeten dann, wie weit sie gehen können.

Fünf Jahre von der Idee bis zur Umsetzung

Eine anonyme Zufluchtsstätte gibt es in Bielefeld seit 25 Jahren. Dort wurden bislang mehr als 1200 Betroffene betreut. Von der Idee bis zur Umsetzung der barrierefreien Zufluchtsstätte vergingen fünf Jahre. Der Verein brachte einen Eigenanteil von mehr als 100.000 Euro auf. Wie viel Geld das Bauprojekt insgesamt gekostet hat, wollte Hoffmann nicht verraten. Das würde nur Aufschluss darüber geben, ob es sich um einen Neu- oder Umbau handelte und damit die Anonymität gefährden.

In jedem Fall kümmern sich 13 Mitarbeiter (7,5 Vollzeitstellen) um Mädchen und junge Frauen im Alter von zwölf bis 21 Jahren, die familiäre oder sexuelle Gewalt erlebt haben. Für sie stehen acht Einzel- und zwei Doppelzimmer bereit. Wer dringend Hilfe braucht, wählt die Telefonnummer 0521/21010, aber auch das Jugendamt der Stadt stellt den Kontakt her.

Der Staatssekretär im Familienministerium des Landes NRW, Andreas Bothe, wäre froh, »wenn dieses Beispiel Schule machen würde«. Bielefelds Beigeordneter Ingo Nürnberger mahnte, die Gesellschaft dürfe sich nicht damit abfinden, dass Mädchen in solchen Häusern Zuflucht suchen müssten.

Martina Puschke von der politischen Interessenvertretung behinderter Frauen (Weibernetz e. V.) wiederum verwies auf ein »gut ausgebautes System an Frauenhäusern«. Bei denen für Mädchen sehe es aber mager aus.

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